Selbst schuld, Alter Sack

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Karl saß wie jeden Morgen an seinem Kiosk auf seinem “ Stammplatz “,einem Art Holzschemel, aber mit Lehne und schlürfte seinen Kaffee aus einem Pappbecher. Der Schemel stand links am Kiosk, so konnte er die ganze Straße übersehen.

Nun war er also seit paar Monaten Rentner und musste sich endlich nicht mehr von dem gottverdammten Jobcenter rumkommandieren lassen. Das war ein gewaltiger Gewinn, so ein Leben als Pensionär nach den letzten Jahren ohne Arbeit, wenn auch die Erbsenzählerei nicht aufhören würde. Bei der üppigen Rente. Aber er musste sich nicht mehr bevormunden, wie ein kleines Kind, wie ein eventueller Sozialbetrüger behandeln, lassen. Die Jahre ohne Arbeit machten sich bei der Höhe seiner Rente bemerkbar, die hätte höher ausfallen können.

Dabei hatte er in der kleinen Firma, in der er seit der Lehre gewesen war, einen lukrativen Job, war anerkannt und quasi der “ zweite Chef “, auf ihn konnte sich der Firmeninhaber hundertprozentig verlassen. Doch der Inhaber wollte mit 67 Schluss machen und seinen Lebensabend in Spanien verbringen. Er verkaufte seine anerkannte Firma an einen Konzern, der schon lange ein Auge auf sie geworfen hatte. Karl sollte eine Jobgarantie bekommen, aber das war eine Ente, die neuen Chefs umgaben sich mit ihren eigenen Vertrauenspersonen und über kurz oder lang war er raus gemobbt und seitdem ohne Arbeit. In seinem Alter, nur paar Jahre bis zur Rente, kann man vielleicht noch amerikanischer Präsident werden, jedoch keine vernünftige Tätigkeit mehr finden.

So genehmigte er sich fast jeden Morgen bei dem Kiosk, der schon zur Institution in der Stadt geworden war und trotzdem dem Bau eines Supermarktes weichen sollte, wider aller Proteste der Anwohner, einen Pappbecher heißen Kaffee.

An diesem Morgen kamen vier junge Schnösel die Straße zum Kiosk hoch und man merkte ihnen an, dass sie noch oder schon wieder sichtlich betrunken waren. Einer blöckte : “ Ich hab schon wieder Durscht, ich brauche Bölkstoff! “. Da seid ihr noch zu früh, betonte der Kioskbetreiber, erst ab Nachmittag. “ Scheißladen “, war die einstimmige Antwort aller vier und verlangten Cola.

Dann wandten sie sich Karl zu, der das Verhalten dieser Typen mit Unbehagen beobachtet hatte. “ Na Alter, so früh schon auf den Socken “, lallte einer, “ du solltest dich zu Hause lieber um die Hühner kümmern “. Alle stimmten in ein riesiges Gejohle ein. Karl wollte sich nicht provozieren lassen, doch ein anderer griff nach seinem kleinen Rucksack, den er immer dabei hatte und versuchte darin rumzuwühlen. Aber Karl war noch flink genug und entriss dieser Pfeife seinen Rucksack.

“ Oho du alter Wichser, du lebst ja noch, dachte, du bist ne wandelnde Mumie “. In Karl kochte es und er entschied sich eher als sonst zu gehen. “ Respektloses Gesindel “, entfuhr es ihm. Der dritte im Bunde schnippte ihm von hinten die Kappe vom Kopf und lallte was von “ was sind das für freche Töne “, da nahm ein weiterer seinen halbleeren Kaffeebecher und rotzte rein. Karls Hand traf fast reflexartig dessen Gesicht, er der sonst keiner Fliege was zuleide tun konnte, doch kurz darauf kippte dieser Schnösel ihm den Becherinhalt ins Gesicht.

“ Selbst schuld, du alter Sack “.

Karl war auf Hundertachtzig und in seiner Wut hielt er plötzlich den schweren Aschenbecher aus Glas, der auf dem runden Tischchen stand, in der Hand und schlug dieser Rotznase damit gegen die linke Schläfe, worauf der sofort wie ein nasser Sack auf den Boden fiel. Blut floss in dicken Rinnsalen auf den dreckigen Gehsteig.

Es dauerte paar Sekunden bis Karl realisierte, was passiert war, dann rief er dem Kioskbesitzer zu, er soll endlich die 110 anrufen.

P.s. Diese Geschichte ist frei erfunden. Ähnlichkeiten mit noch lebenden Personen sind daher absolut zufällig.

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