“ Ich bin kein Terrorist „

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Ben hatte alles bis ins Detail geplant. Er fühlte sich gewappnet. Niemals wollte er mehr in einem solchen Loch, was sich Wohnung nannte, hausen müssen und jeden Monat nicht zu wissen, wie er mit den paar Pimperlingen, die er hatte nicht verhungern sollte.

Als Kind nordafrikanischer Eltern, der bei seiner Mutter aufgewachsen war, sein Erzeuger war noch vor seiner Geburt nach Schottland abgehauen, hatte er als dunkelhäutiger Typ am eigenen Leib erfahren, wie es ist, arm in der Großstadt zu leben. Nie hatte er verstanden, warum seine Eltern unbedingt nach England wollten, aber er kannte dieses Land, wo sie herkamen auch nicht, nur vom Namen her.

Mit diesem elendlichen Leben wollte Ben nun endgültig Schluss machen.

Er hatte den kleinen Schmuckladen, der in der Nähe der London Bridge lag, schon seit Monaten fast jeden Tag stundenlang immer und immer wieder beobachtet, alle Abläufe registriert, wobei es ihm insbesondere um die Bewegungen im Inneren des Geschäftes ging, wieviel Leute dort waren, welche Pausenregelung die hatten, wie und wo Alarmsysteme eingesetzt wurden. Gerade um die Letzteren ging es ihm vorrangig.

Das Geschäft gehörte nicht zu den großen Juwelierläden wie Graff und andere in der Londoner City, aber das war ihm recht, denn von ganz heimtückischen Alarmanlagen wollte er nicht überrascht werden.

Dieser kleine Laden bot schon im Schaufenster genug “Beute “ vor allem wertvolle Uhren, die er an ihm bekannte Hehler verkaufen wollte. Bei seinen Beobachtungen der im Schaufenster ausgelegten Schmuckstücke und Uhren kam er auf eine Summe von mindestens 20.000 Pfund. Das sollte fürs erste reichen.

Eines Abends im Frühsommer setzte Ben seinen Plan in die Tat um. Damit er bei seinem Weg zum Laden seiner Begierde niemanden im Gedächtnis bleiben sollte, hatte er auf seine üblichen Äußerlichkeiten wie weiße Sportschuhe und buntes T-Shirt, die er sich gerade so leisten konnte, verzichtet und eine alte Jeans sowie eine schwarze Cordjacke angezogen.

Ansonsten hatte er nur noch Handschuhe, einen Stoffbeutel mit Reißverschluss und einen extra scharfen Glasschneider dabei, mehr brauchte Ben nicht.

Er versuchte das Loch in der Schaufensterscheibe so groß wie möglich zu schneiden, damit er weit reinfassen konnte. Da er wusste, mit welchem Glas er es zu tun bekam, steckte er alle Kraft in seinen Ellenbogen, trotzdem war er überrascht, wie widerstandsfähig das vorgeritzte Loch war, doch beim zweiten Schlag war es passiert. Die runde Scheibe fiel nach innen. Dass im gleichen Moment ein hässlicher Alarmton losging war ihm klar. Jetzt musste Ben ganz schnell sein und binnen kurzer Zeit soviel Zeug zusammenraffen, wie nur möglich. Das gelang ihm gut, der Beutel wurde immer schwerer, er glaubte genug zu haben und schon rannte er zu einer kleinen Gasse, die von der Geschäftsstraße abging. Von dort wollte er durch etliche Straßen und Gassen so schnell wie es nur ging das Weite suchen und sich im Londoner Nachtleben unauffällig zu seiner schäbigen Bude begeben.

Ben war gerade in die Gasse eingebogen, als er von der nahen London Bridge ein riesiges Geschrei vieler Menschen hörte, nachdem ein Fahrzeug mit quietschenden Reifen anscheinend zum Stehen kam. Viele Leute rannten von der Brücke weg genau in seine Richtung, im gleichen Augenblick hörte er von allen Himmelsrichtungen Polizeiautos mit Blaulicht und Sirene herankommen.

Verdammt noch mal, dachte Ben in Panik, das kann doch gar nicht sein, selbst wenn von dem Schmuckladen ein Alarm in der nächsten Constablerwache eingegangen ist, sind die Bullen doch nie und nimmer so schnell da.

Als plötzlich überall Polizisten mit Maschinengewehren und schusssicheren Westen auftauchten und dann etliche Schüsse durch die Straßen hallten, wurde ihm bewusst, dass auf der Brücke ein Terroranschlag stattgefunden haben musste. Er war in die Schusslinie geraten, wo doch alles so prima geklappt hatte.

Plötzlich wurden Polizisten auf ihn aufmerksam und brüllten, er solle stehen bleiben, als Ben gerade in einer wenige Meter entfernte Seitenstraße verschwinden wollte. “ Nicht schießen, ich bin kein Terrorist “ konnte er noch rufen. Da fielen drei Schüsse, die ihn am linken Arm und in die Brust trafen. Sein Blut spritzte aus den Wunden, die eine großkalibrige Waffe verursacht hatte, aber dass er zu Boden sackte , kriegte er nicht mehr mit.

In der Meldung der Polizei hieß es dann nur : “ Auf der London Bridge hatte ein Transporter mehrere Menschen absichtlich angefahren, anschließend sprangen drei Männer aus dem Fahrzeug und stachen mit Messern wahllos auf Passanten ein, es gab mehrere Tote. In einer Straße in unmittelbarer Nähe der Brücke konnten die drei Terroristen gestellt und erschossen werden. Ein Vierter wurde auch unschädlich gemacht, als er fliehen wollte. Dieser hatte keinerlei Waffen bei sich, aber einen schweren Stoffbeutel mit Schmuck und Uhren, die aus einem Schaufenstereinbruch in einen Schmuckladen stammten. Inwiefern diese vierte Person in einem Zusammenhang mit den Attentätern von der Bridge steht, muss noch geklärt werden. “

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