Ein klarer Fall von Geldgier

Hans sah den Mitarbeiter der Vermietergesellschaft entsetzt an, der ihm ohne mit der Wimper zu zucken klarmachte : “ Sie fliegen hier raus, wenn Sie nicht endlich die Miete für diesen Monat bezahlen. Wir haben schon den 23. und am 1. ist schon wieder die nächste Miete fällig. Das ist meine letzte Mahnung, wenn die zweite Zahlung auch wieder nicht kommt, haben Sie unsere Kündigung im Briefkasten. “

“ Ich hatte ne Reparatur an meinem Auto, auf das bin ich angewiesen, “ sagte Hans, “ ohne dem bin ich erschossen, als Forstarbeiter muss ich jeden Tag paar Kilometer zur Arbeit fahren. Wo soll ich denn so schnell das Geld her kriegen? “

Der Mitarbeiter hatte kein Verständnis. “ Das ist mir scheißegal, borgen Sie sich was, verkaufen Sie Ihren Fernseher oder überfallen eine Bank, ist mir völlig wurscht, “ blaffte er und knallte die Wohnungstür zu.

Hans saß auf seinem Küchenstuhl und Verzweiflung packte ihn. Wie soll ich denn das ganze Scheißgeld herkriegen, dachte er. Alle halten nur ihre dreckigen Hände auf, alles wird teurer, die Regierenden lassen die Miethaie gewähren, und da kotzt dieser Arsch von der Vermietergesellschaft auch noch zum falschen Zeitpunkt rum und will ihn aus diesem armseligen Loch von Wohnung rausschmeißen.

Nicht mit mir!

Ich habe schon genug durchgemacht in meinem Leben. Erst seine Ex, die mit einem ekligen Schleimer durchbrannte, der sie nach einem Jahr in den Hintern trat, dann seine zwei Jungs, die als Studierte hochnäsig auf ihn herabsahen. Bloß gut, dass er seine Arbeit im Forst hatte, die machte ihm Spaß, leider könnte der Betrieb einiges mehr zahlen. Lohnerhöhungen waren immer wieder versprochen worden, ließen aber auf sich warten.

Was sagte dieser Kotzbrocken, “ Bank überfallen “, ja warum eigentlich nicht! Die Welt war gemein, warum sollte er nicht auch mal gemein sein?

Mit seiner Kettensäge, die er immer dabei hatte, würde er sich schon genug Respekt verschaffen, damit die in der Bank nen ordentlichen Haufen Geld rausrücken.

Ein paar Tage später setzte Hans seinen Plan zum Reichwerden in die Tat um. Natürlich wählte er eine ganz andere Bankfiliale für seinen Überfall aus, am anderen Ende der Stadt, nicht die wo er sein Konto hatte.

Mit Pudelmütze bis zu den Augen runtergezogen, einen Rollkragen bis zur Nase hochgezogen, und seiner Schutzbrille vor den Augen, stürmte er in die Bankfiliale, schmiss seine Kettensäge an, sägte zur Bekräftigung seines kriminellen Herausgabeanspruchs einem Art Pult, was zum Ausfüllen von Bankbelegen diente, die Füße blitzartig weg, sodass es zusammenkrachte und knallte seine laufende Säge an einem Schalter auf die Brüstung, dass kreischend Späne umherflogen.

“ Alles Geld her, was Sie da haben, oder ich mache Kleinholz aus dem Laden hier, “ schrie Hans die junge Schalterangestellte an, die verängstigt aus einem Geldschubfach alle Geldscheine, die da drin waren zu Hans rüberschob, der sie in eine Plastetüte stopfte.

Plötzlich griff eine Hand nach seiner Schulter und eine ältere Stimme sagte zu ihm, “ Junger Mann, das bringt doch nichts, machen Sie das Ding aus! “ Hans schoss herum und erfasste mit der Kettensäge die noch erhobene Hand des alten Mannes. Dessen Finger flogen mit einem hässlichen Geräusch in die Luft, um sogleich wie blutende Würmer in dem Schalterraum zu Boden zu klatschen. Blut spritzte aus der verstümmelten Hand des Rentners, verbunden mit seinen Schmerzensschreien.

Entsetzt blickte Hans auf das Blutbad, was er angerichtet hatte. Das sollte nicht passieren, dachte er. Im gleichen Moment kam aus dem nicht einsehbaren Bereich hinter dem Schalter eine adrette Frau im mittleren Alter, in der Hans die nette Angestellte aus seiner Bankfiliale erkannte, die er dort schon geraume Zeit nicht mehr gesehen hatte. Sie war also die Karriereleiter hochgeklettert und hier Leiterin dieser Filiale geworden, die er um Geld erleichtern wollte.

“ Herr Hans M…, was treiben Sie denn hier?! “ herrschte sie ihn an. Die Frau hat mich trotz meiner Maskierung sofort erkannt, stellte er entsetzt fest. Sein Plan mit dem schnellen Überfall war kläglich gescheitert.

“ Legen Sie sofort dieses Mordinstrument weg oder wollen Sie noch mehr Blut vergießen!? “

Hans tat was ihm befohlen, denn ihm war bewusst, dass flüchten, selbst mit dem erbeuteten Geld, sinnlos war. Wo sollte er auch hin, in seine Wohnung und die rückständige Miete bezahlen und dann auf die Bullen warten oder im Wald verstecken? Lächerlich!!

Ergeben setzte er sich auf eine Sitzgruppe -die Sache war schiefgelaufen, damit musste er sich abfinden, also warum nicht in den Knast gehen, da war es wenigstens warm und Miete brauchte er auch nicht zu zahlen. Er war halt ein Verlierer und zu gut für diese Welt.

In seine Gedanken versunken bemerkte er erst die herein stürmenden Polizisten, als die ihn von seinem Sitz rissen, brutal zu Boden drückten und Handschellen anlegten. Seine Beschwerde über die unnötige Grobheit hörte niemand, er hätte sich ohnehin freiwillig ergeben.

Monate später saß Hans immer noch in seiner U-Haft -Zelle und wartete auf seinen Gerichtsprozeß. Was brauchen die denn solange, er ist doch voll geständig. Sein Pflichtverteidiger sagte ihm, gegen die Trägheit der Justiz ist kein Kraut gewachsen. Richter und Staatsanwälte jammern zwar ständig über Arbeitsüberlastung, aber aus ihrem Trott lassen sie sich deswegen noch lange nicht rausbringen.

Endlich kam der Tag seiner Gerichtsverhandlung, zu der wegen seiner Geständigkeit nur die junge Bankangestellte und ihre Chefin als Zeugen geladen waren. In sein Schicksal ergeben und reumütig schilderte Hans, wie er sich zu seiner kriminellen Tat entschlossen hatte. Geduldig beantwortete er alle Fragen der Richter, des Staatsanwalts, seines Verteidigers und des Nebenklägeranwalts des alten Herrn, der seine Finger eingebüßt hatte.

Nur einmal wurde er richtig wütend, weil dieser arrogante Staatsanwalt von Handeln aus Geldgier und einer psychisch auffälligen Person sprach. Von wegen Geldgier, er sei bisher immer ehrlich durchs Leben gegangen und wenn er psychisch auffällig sei, dann beleidige der Herr Anklagevertreter auch hunderttausende von Hartzern, alleinerziehende Mütter und andere arme Schlucker, denen unverschuldet ständig die Geldnot im Nacken saß. Der Staatsanwalt nahm nur grinsend die wütenden Worte von Hans zur Kenntnis. Das Gericht hatte anscheinend mehr Verständnis, denn es blieb deutlich unter seinem Strafantrag.

Das wars dann auch schon, nach einem Vormittag Verhandlung war Hans der rechtskräftig verurteilte Kettensägeräuber.

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