Die Villa des Professors Euresius

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Es ist nicht so, dass ich bei Spinnen in ein wildes Gekreische, wie meine liebe Frau meistens, ausbreche, doch was wäre, wenn diese hässlichen Viecher anfangen würden zu wachsen. Immer größer und größer, erst groß wie unser Miezekaterchen Mogli ( ich hoffe, er verzeiht mir den Vergleich ), dann wie ein Waschbär und ein Schäferhund und… Sparen wir uns weitere Größenordnungen.

Ich habe mir eine Story zusammengesponnen, wie es den zwei Einbrechern Erik und Josef erging:

“ Hast du schon mal von Professor Eresius gehört? “ fragte Erik, der der klügere und kreativere von den zweien war.

“ Nö, wer ist denn das für ein Typ, “ fragte Josef.

“ Tja das ist ein in Fachkreisen bekannter und zugleich verrückter Wissenschaftler, der sich jahrzehntelang mit Genmanipulation beschäftigt hatte. Er hätte beinahe auch den Nobelpreis in Gentechnik bekommen, aber man hatte den dann doch jemand anderem verliehen. Er hatte nämlich heimlich mit Fliegen experimentiert, obwohl ihm das von seinem Institut, wo er angestellt war, verboten wurde. Es war ihm gelungen eine Fliege so gentechnisch zu verändern, dass diese wuchs, je mehr sie fraß. Als man ihn erwischte, war diese Summsi schon so groß wie eine Taube. “

“ Oha, das ist ja eklig, ich hasse Fliegen, wenn die alle so groß würden, da könnten wir uns aber warm anziehen, “ war Josefs Reaktion.

Das Forschungsinstitut hatte ihn schließlich endgültig wegen seiner ungehorsamen Forschungsmethoden in den Ruhestand geschickt, ergänzte Erik, er war sowieso schon im Pensionsalter. Er habe schon vor Jahren von Professor Eresius gehört, aber jetzt erst zufällig erfahren, dass er in ihrer Stadt wohne, in einer alten und großen Villa am Stadtrand, die von einem riesigen parkähnlichen verwilderten Garten umgeben war. Die Villa selbst war fast mit wilden Wein zugewachsen; wegen der Wildnis davor konnte man das große Haus von der Straße fast nicht sehen. Der Professor wohne da allein, kein Mensch weiß, was er dort macht. “ Mit Gartenarbeit vertreibt er sich jedenfalls nicht die Zeit. Nur ein oder zweimal die Woche, auf jeden Fall immer Mittwoch fährt er mit einem uralten BMW zum nächsten Supermarkt um einzukaufen. Und was seltsam ist, er kauft immer mehrere XXL-Packungen Hundefutter und auch billiges Fleisch, obwohl man bei ihm noch nie nen Hund gesehen, geschweige denn Bellen gehört hat. “

Josef fragte, woher Erik das alles weiß, worauf dieser antwortete, von einer Verkäuferin im Supermarkt, mit der er mal liiert war.

“ Wir sollten der Villa mal einen Besuch abstatten, wer weiß, was der alte Kauz in seiner Villa alles für Schätze aufbewahrt, die wir versilbern könnten.”

Prima Idee, entgegnete Josef, er brauche ohnehin wieder ordentlich Zaster, ihr letzter Einbruch sei schließlich schon eine Weile her.

Am nächsten Mittwoch war es dann soweit, der Professor war schon vormittags zum Supermarkt gefahren, was Erik und Josef beobachteten, die seit früher Stunde in ihrem Auto sitzend die Villa beobachteten.

Es war nicht schwierig auf das Grundstück zu gelangen, der alte Holzzaun der es umgab war extrem marode. Sie näherten sich vorsichtig dem Haus, obwohl das unnötig war, es war eh keiner da. Die Haustür war zwar abgeschlossen, doch das einfache Schloss stellte kein Problem für die erfahrenen Bruchspezialisten dar.

Erik und Josef betraten eine große Eingangshalle, von der mehrere Türen abgingen. Eine breite, im Halbkreis gebogene Treppe führte nach oben.

“ Wo fangen wir an?”, fragte Josef. Erik sagte, dass sie im Obergeschoss anfangen sollten, denn falls der Professor eher zurück wäre, als vor zwei Stunden, seine minimale Einkaufszeit, dann war es im Erdgeschoss einfacher, abzuhauen.

Im oberen Bereich fanden sie einen langen Flur vor, von dem mehrere Türen abgingen. Neben einem Arbeitszimmer, mit großem Schreibtisch vor einem Fenster und voll gestellt mit Bücherregalen sowie Bücherstapel auf dem Fußboden gab es da noch vier weitere Türen, ein Schlafzimmer, zwei Zimmer, die mit allen möglichen Zeug vor allem Kartons, voll gestellt waren, und ein weiteres, was augenscheinlich als Labor diente. Auffällig, nicht nur im Obergeschoss, war der Staub und die Unordnung. Der Professor schien kaum mal sauber zu machen.

Erik und Josef suchten vorrangig nach Schmuck und anderen wertvollen Sachen, was bei der allgemeinen Unordnung in Stress ausartete.

“Das hatte ich mir einfacher vorgestellt,” sagte Josef und wühlte weiter. Nachdem alle Zimmer durchsucht waren, wollten beide nach unten, aber dann fiel ihnen eine Klappe in der Decke auf, die offenbar zu einem Dachboden führte. Kaum Hoffnung, da was gescheites zu finden, öffneten sie die Klappe, wodurch sich eine Holzleiter auftat. Sie stiegen nach oben und leuchteten mit ihren Taschenlampen. Nur Unrat, ein Haufen Kartons, vor lauter Staub mussten beide niesen. Außerdem war ein komischer Gestank in der staubigen Luft. Plötzlich surrten große Schatten über ihren Köpfen, sie erschraken gewaltig und trauten ihren Augen nicht… Fliegen groß wie Hühner brummten hin und her. Dafür besorgt der Professor immer Hundefutter? Na ja, sicher fressen so große Fliegen das.

“ Hat der Professor also seine Experimente mit Fliegen hier weiter gemacht, sehr makaber, “ gab Erik von sich und meinte noch zu seinem Kumpanen, dass sie hier abhauen sollten. Da sie beim Hochsteigen die Klappe offen gelassen hatten, konnte eine von diesen Riesenfliegen ins Treppenhaus entkommen. Scheiß drauf, sagten sich beide durch Blickkontakt und verrammelten die Luke wieder.

Im Erdgeschoss erhofften sie sich fettere Beute, also machten sie sich daran, die Räumlichkeiten zu erkunden. Doch ihre Erwartungen wurden zunächst enttäuscht. Das eine Zimmer entpuppte sich als große Küche, reichlich verschmutzt und ein Berg von Abwasch, dann eine Abstellkammer, voll mit allen möglichen Krempel, ein weiteres Labor mit seltsamen Gerätschaften, wobei ein großes Glas ihre Aufmerksamkeit erregte. Darin schwamm in Ethanol eine fette Spinne, so groß wie eine ausgewachsene Ratte . “ Du heilige Scheiße, hast du schon mal so ein Riesenvieh von Spinne gesehen? “, flüsterte Josef. Er sprach so leise, als könnte die Spinne im Glas durch laute Aussprache aus ihrer Starre aufwecken.

“ Was der hier alles so treibt “, bemerkte Erik und setzte hinzu, dass es so große Spinnen seines Wissens in der Natur nicht gibt.

Da sich in dem Labor nichts Verwertbares finden ließ, setzten beide ihre Suche fort und stießen auf eine verschlossene Tür. Sie hatten als geübte Einbruchspezialisten keine Mühe das Schloss zu öffnen und entdeckten dann, dass der Professor in diesem Raum ein saugemütliches Wohn-und Lesezimmer eingerichtet hatte. Die drei Innenwände waren mit Bücherregalen, die bis zur Decke reichten, ausgefüllt. Sie sahen mit einem kurzen Blick, dass es sich ausschließlich um Fachbücher handelt. Die Außenseite mit dem breiten Fenster zierten mehrere eingerahmte Fotos und Zeichnungen von großen Insekten, wie die Riesenameisen im brasilianischen Urwald oder eine Zeichnung einer Monsterfliege mit zwei Köpfen, unter deren einem Bein ein Mensch zappelte.

Rechts vom Fenster stand ein Ohrensessel, daneben eine Stehlampe und ein Tischchen, vollgepackt mit Büchern und Fachzeitschriften über Gentechnik. Auf der linken Seite des Fensters war noch eine Kommode mit einem Laptop . In der Mitte des Raumes stand ein reich verzierter alter Schaukelstuhl. Das für Erik und Josef interessanteste aber hing an der Fensterwand zwischen den Bildern, nämlich ein halbes Dutzend Wanduhren, deren Wert ein Blinder mit Krückstock erkennen konnte. “ Na also, lohnt sich doch noch “, sagte Josef und zusammen mit seinem Kumpel verstauten sie Uhren, Laptop und die Bilder mit den skurrilen Zeichnungen, vielleicht könnten sie die auch zu Geld machen, in zwei mitgebrachten Stofftaschen. “ Den Schaukelstuhl nehme ich auch mit, entweder benutze ich den bei mir zu Hause oder ich kann den teuer verkaufen “,sagte Erik.

Ihre Taschen und den Schaukelstuhl stellten beide in der Eingangshalle neben der Haustür ab und widmeten sich der letzten Tür, die unter der nach oben führenden gebogenen Treppe lag. “ Hier gehts sicher in den Keller, “ meinte Josef. So war es auch. Da diese Tür auch abgeschlossen war, mussten sie wieder ihre Dietriche benutzen, was aber keine Mühe machte. Nach einem kurzen Gang nach links trafen sie auf eine weitere abgeschlossene Tür, die Josef genauso schnell öffnete.

Es eröffnete sich ein gewaltiges Gewölbe, offenbar vom gleichen Maßstab wie das Haus. Mehrere Säulen standen in bestimmten Abständen darin. Eine Treppe führte mindestens drei Meter nach unten, was ihre Taschenlampen aber erhellten, ließ ihnen ihr Blut in den Adern gefrieren…

Das gesamte Kellergewölbe war durchspannt mit dicken Spinnfäden, zudem hingen an einigen Stellen Spinnnetze so groß wie Trampoline. Was Erik und Josef aber zugleich entsetzte… in einem Netz hing eine fette Spinne, die so groß war wie ein Waschbär.

Die große Fliege vom Dachboden, die vorher schon in der Eingangshalle rumbrummte, war ihnen auch in den Keller gefolgt und schwirrte nun zwischen den Spinnfäden umher. Plötzlich blieb die Fliege an einem Faden mit den Flügeln hängen, taumelte in der Luft und verhedderte sich in weiteren Fäden. Hilflos hing sie in den Fäden und immer mehr wickelten sich um den zappligen Fliegenkörper. Da schoss aus dem dunklen Nichts eine weitere Spinne, die jegliche Vorstellungskraft sprengte. Dieses Viech war so groß wie ein Bernhardiner, wobei man sich das ganze Ausmaß dieses Monsters mit den mindestens zwei Meter langen Beinen vorstellen musste. Die Fliege wurde von der Waschbär -Spinne nach allen Regeln der Spinnenkunst mit Fäden eingewickelt, währenddessen die Monsterspinne, an mehreren Fäden hängend, sich Erik und Josef näherte, die natürlich noch oben auf der Kellertreppe standen.

“ Das halten meine Nerven nicht aus, will die was von uns? “,nuschelte Josef. Er geriet regelrecht in Panik und in seiner damit verbundenen Unvorsichtigkeit glitt er von der obersten Stufe ab und rutschte auf dem Allerwertesten paar Stufen nach unten. Das schien die Monsterspinne als Angriff zu werten – eine dritte Riesenspinne tauchte urplötzlich neben der Treppe auf -und biss Josef in den Fuß. Gleichzeitig zerrte sie ihn ganz nach unten und sofort war er von etlichen Fäden umwickelt. Er konnte nicht mehr aufstehen geschweige denn weglaufen. Die Monsterspinne biss ihm erneut mit ihrem Riesenmaul, diesmal in den Oberschenkel und drehte ihn zigmal um sich selbst, sodass er eingeschnürt war wie ein Postpaket. Blut machte auf seinem Hosenbein einen großen Fleck.

“ Hilf mir doch, “ konnte Josef noch schreien, dann zerrte die Spinne ihn von der Treppe weg. Er muss ohnmächtig geworden sein.

Erik war vor Entsetzen starr und musste das grausame Spiel der Monsterspinne hilflos mit ansehen. Wie sollte er seinem Kumpel helfen? Unmöglich! Er konnte nicht riskieren, selbst in die Fänge dieser gnadenlosen Viecher zu geraten. Stattdessen rannte er seinem Selbsterhaltungstrieb folgend in die Eingangshalle, ließ den Schaukelstuhl stehen, nahm nur die zwei Taschen und riss die Haustür auf, um dort den nächsten Schreck zu bekommen.

Als Erik aus der Tür nach draußen stürzte, prallte er mit dem Professor zusammen, der gerade die Tür öffnen wollte, um seine Einkäufe ins Haus zu tragen. Professor Euresius wurde durch den Zusammenprall nach hinten geschleudert, fiel zu Boden und knallte mit dem Hinterkopf auf die Begrenzungssteine am Weg. Blut spritzte und lief an dem zum Mordinstrument gewordenen Stein nach unten.

Der geniale Professor hatte augenblicklich seine Seele in den Himmel geschickt.

Erik rannte mit seinen Taschen zum Auto und fuhr mit überhöhter Geschwindigkeit in Richtung Stadt. Plötzlich stakste eine Riesenspinne über die Straße oder bildete er sich das nur in seinem verwirrten Zustand ein? Er verriß das Lenkrad, das Auto schleuderte, überschlug sich mehrfach und kam auf dem Dach liegend im Straßengraben zum Stillstand. Mit einigen Blessuren, aber lebend konnte Erik von Sanitätern aus dem Autowrack geborgen und ins Krankenhaus gebracht werden. Dort hatten sie mit ihm ihre liebe Last, ständig wollte er weglaufen, schrie im unruhigen Schlaf und faselte ständig was von Riesenspinnen, die die Menschheit auffressen werden. Der hinzugezogene Psychiater diagnostizierte einen Höchstgrad an Wahnsinn. “ Das ist nicht mehr heilbar, der Mann hat den Verstand verloren. Er muss für immer in einer Anstalt bleiben “, schrieb er in seinem Gutachten an den Staatsanwalt.

Was wäre aber, wenn wirklich Monsterspinnen in den Wäldern, alten Ruinen, Höhlen usw. hausen und sich vermehren? Wäre die Menschheit ernsthaft bedroht?

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