Die Macht des Schreibens

Vorletzte Woche hatte mein alter Kumpel Günter seinen 65. Geburtstag und aus diesem Anlass seine zwei erwachsenen Kinder nebst etlichen Enkelkindern und die besten Freunde in eine vornehme Gaststätte in der nahen Kleinstadt zum Mittagessen eingeladen. In diesem historischen Haus soll auch mal Napoléon übernachtet haben, ist aber schon paar Jährchen her.

Nun, wir haben uns kräftig den Bauch vollgeschlagen, vorallem mit illustren Speisen, die man nicht so oft zu Hause hat, wie etwa Wildgulasch mit Thüringer Klößen.

Vollgefressen und zur Verdauung noch zwei Ramazzotti genossen, wurde ein kleiner Spaziergang gemacht, bevor es in unseren Heimatort zurück ging, aber nicht nach Hause, sondern Günter hatte alle noch zum Kaffeebrunch geladen. Ja bei solchen Anlässen hatte er immer die Spendierhosen an, da ließ er sich nicht lumpen.

Ziel war das Haus Zum Waldblick, errichtet von einem ortsansässigen Unternehmer, der bereits einige Investitionen in unserem schönen kleinen Ort an der hessischen Landesgrenze getätigt hatte. Sein Haupterwerb war eine gut gehende Tischlerei und das neue Haus sollte vorrangig zu Feiern, geselligen Zusammenkünften aber auch zu weniger erfreulichen Zusammenkünften von Trauergesellschaften dienen.
An jenem Nachmittag fand also der alle vier Wochen stattfindende Kaffe-und Kuchenbrunch statt, was Günter clevererweise dazu nutze, für seine Geburtstagsgesellschaft ( also wir ) einen langen Tisch zu reservieren.

Das Haus war voll, stellte ich überrascht fest, denn ich war noch nicht zu einer solchen Veranstaltung. Auch ne Menge bekannter Gesichter aus den umliegenden thüringischen und hessischen Nachbarorten waren anwesend. Ein gelungener Ausklang eines mit Völlerei gefüllten Tages.

Schon bei Kaffee und Torte, was alles in einen so reingeht, fiel mir ein gelber Zettel mit der Abbildung eines Buchcovers auf, mit dem zu einer Buchvorstellung, und Kaffeebrunch natürlich, im kommenden Frühjahr geworben wurde. Die Autorin des abgebildeten Buches soll der Kuchen vertilgenden und Kaffee schlürfenden Gesellschaft ihr Buch präsentieren und Fragen beantworten.

G. T. Selzer, nie gehört vorher den Namen, aus Frankfurt/Main, kommt extra in unser kleines Kaff um ihr Buch vorzustellen? Da muss doch ein Haken sein! War er auch.

Monte Kali

Monte Kali

Tod im Salz 

Kriminalroman aus Hessen

so der Titel dieses Buches spielt offensichtlich zum Teil im nahen hessischen Heubach, 5-Auto-Minuten entfernt ( der richtige Name ist dem Schreiberling dieser Zeilen bekannt ). Hätte mir auch gleich auffallen können, auf dem Buchcover war unter der Skyline von Frankfurt der immer noch wachsende Monte Kali oder auch Kalimandscharo genannt abgebildet, den ich jeden Tag vor Augen habe, wenn ich aus dem Fenster gucke. Wer es nicht weiß, das ist ein riesiger Berg in der Landschaft, bestehend aus Abraum der hiesigen Kaliindustrie.

Das machte mich natürlich neugierig und schon am Abend habe ich mir auf mein Smartphone die Kindle – Ausgabe des Buches als Leseprobe heruntergeladen. Das ist das gute an Ebooks, versuch das mal mit Büchern aus herkömmlichen Material.

Als verwöhnter Krimi – Leser heißt das schon was, mich für ein Buch zu interessieren, was nicht von Ian Rankin oder Michael Connelly oder Mo Hayder oder … stammt. Ein Leben mit hunderten oder vielleicht tausenden ( ? ) gelesenen Büchern hinterlässt Spuren, da kann man die Spreu vom Weizen trennen.

Kurz gesagt, die Leseprobe hat mich sofort gefesselt, da die aber abrupt endet, wollte ich selbstverständlich wissen, wie es weitergeht. Das Buch von Frau Selzer ist daher vollständig in meinem Kindle gelandet.

Bis zum Kaffeebrunch im nächsten Frühjahr habe ich es mit Sicherheit längst gelesen.

Was ich noch erfuhr ist die Tatsache, dass Frau Selzer den Pintas-Verlag selbst gründete, um ihre Bücher verlegen zu können. So ist das eben, jeder Schriftsteller muss sich erst bekannt machen, für jeden Verlag steht nicht zuletzt der Profit im Vordergrund. Jeder scheut einen Flopp wie der Teufel das Weihwasser.
Stephen Kings Roman “ Carrie “ soll auch 30mal abgelehnt worden sein, bis er einen Verleger gefunden hat.

Die Verlagsgründung von Frau Selzer finde ich deshalb gut und mutig.

Das Buch macht Lust auf Mehr.

Sei der Erste und schreibe jetzt einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Dein Kommentar ... *

Dein echter Name *

Deine aktive E-Mail-Adresse * Deine Website

© 2018 Copyright Peter Bellstedt · Impressum · ·