Das schuldbeladene Nudelholz

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Emma und Horst schliefen tief und fest, als ein seltsames Geräusch die 70 Jahre alte Frau aus dem Schlaf aufschrecken ließ. Was war denn das für ein Klirren, flüsterte sie und im gleichen Moment rüttelte sie den dicken Mann neben sich fast brutal an, der schniefend und grunzend aufwachte und seine Frau wütend ansah . “ Im Haus ist jemand , ein Einbrecher . Was sollen wir tun ?” Keine Panik, entgegnete Horst . “ Dem werden wir schon die Leviten lesen ,von wegen in fremde Häuser einzubrechen .”

Der Einbrecher wühlte mit einer Taschenlampe leise , aber gleichwohl hörbar in der Wohnstube herum . Emma und Horst schlichen sich so lautlos wie möglich durch die große Küche, die zum Wohnzimmer zwei Zugänge hatte zu diesem heran, wobei Horst schon seinen Baseballschläger, den er schon ewig nicht mehr benutzte, dabei hatte. Emma wollte auch nicht unbewaffnet bleiben und nahm daher das große Nudelholz in der Küche von der Wand und näherte sich dem Zimmer von der anderen Seite.

Sie trat beim Ranschleichen auf die Scherben des Weinglases, was der Einbrecher vorher vom Tisch runter geworfen hatte, das Knirschen in der nächtlichen Stille war ohrenbetäubend. Die Taschenlampe ging aus und Emma sah plötzlich, im linken Zugang zur Stube stehend, einen Schatten auf sich zukommen.

In ihrer Panik schlug sie einfach mit dem Nudelholz nach dem Schatten. Und traf diesen offenkundig am Kopf, was ein dumpfes Geräusch verursachte. Der Einbrecher fiel wie ein Sack auf den Boden.

Einen Moment blieb Emma wie erstarrt stehen. Dann krächzte sie heraus : “ Horst, ich habe ihn erwischt. Horst, wo bist du? “

Keine Antwort, Todenstille. Sie tastete zum Lichtschalter und drückte ihn. Das Zimmer erstrahlte im starken Licht der Deckenlampe.

Da sah sie einen dicken Mann am Boden liegen, aber im Schlafanzug, nicht in Einbrechermontur, und schlagartig im wahrsten Sinne des Wortes begriff sie, sie hatte Horst erschlagen.

Da lag er nun, der Mann ihrer jugendlichen Träume, der vor 50 Jahren mit seinem dicken Schwanz sie immer und immer wieder zu wahnsinnigen Orgasmen getrieben hatte, der aber mit den Jahren fetter und fauler wurde und nur noch Bier saufen und blöde Fernsehsendungen toll fand.

Emma war nur einen Moment geschockt von dem “ Erfolg “der Einbrecherjagd und dachte ganz nüchtern, nun ja, in Kürze hätte sie ihren Mann ohnehin beerdigen müssen, bei seiner Fettsucht, also warum sollte das nicht der richtige Zeitpunkt sein? Er war eh zu nichts mehr nütze.

Emma rief die Polizei an und schilderte, dass ein Einbrecher ihrem Mann den Baseballschläger entrissen und damit erschlagen habe.

Die Polizei fand die Schilderung plausibel, zumal der Schläger in der Blutlache neben dem Kopf von Horst lag. Niemand beachtete das Nudelholz an der Küchenwand.

Von unzähligen Nachbarn, Bekannten und Fremden erhielt Emma Beileidsbekundungen wegen des tragischen und plötzlichen Verlustes ihres geliebten Ehemannes.

Etliche Jahre später lag in einem Gefängnis ein zu einer hohen Strafe verurteilter, in die Jahre gekommener, Einbrecher im Sterben und ein Pfarrer nahm ihm die Beichte ab. Dabei erzählte er auch dem Seelsorger von einem dem Gericht nicht bekannten Einbruch in ein kleines Haus am Rand einer Kleinstadt, bei dem ein altes Ehepaar ihn mit Baseballschläger und die Frau mit einem Nudelholz bewaffnet überwältigen wollten. Er habe das jedoch rechtzeitig bemerkt und konnte flüchten, die Frau habe aber dem Mann mit dem Nudelholz einen solchen Hieb versetzt, sodass dieser auf der Stelle tot umfiel. Mit stiller Empörung musste er Tage später in der Zeitung lesen, dass angeblich ein Einbrecher einen Hausbesitzer mit einem entrissenen Baseballschläger zu Tode geprügelt hätte.

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